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Ralf Hagelstein

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Ralf Hagelstein über seinen Einsatz zu Zeiten des Krieges:

Am Montag den 21.Juni wurde es Ernst. Mein Flieger nach Berlin hatte 20 Minuten Verspätung, das fing ja schon gut an. In Berlin angekommen fuhr ich zum Tropeninstitut, zur Tropentauglichkeitsuntersuchung und um restliche Impfungen zu erhalten.

Photo: Ralf Hagelstein / DRK-Schlich

Aufbruch ins Ungewisse

Nach dem O.K. des Arztes ging es weiter zum Generalsekretariat. Dort gab es mehrere Briefings, zur Lage Allgemein, zum Sudankonflikt, zur Arbeit vor Ort, Sicherheitsbestimmungen und weitere Infos zum Einsatz. Nach der letzten Nacht in Deutschland ging es dann zum Flughafen Tegel, von dort nach Frankfurt und schließlich nach weiteren 8 Stunden nach Khartoum. Sudan um 22.50Uhr,  immerhin war es dort mit 34 Grad recht kühl!

Schlechte Infrastruktur im Einsatzgebiet

In Khartoum gab es die nächste Tage weitere Infos über das Dafur-Gebiet. Für unsere BHCU mußte ich noch einige Sachen in der Stadt kaufen, die es in El Fasher nicht gibt. Nach einigen Schwierigkeiten konnte ich dann mit dem ICRC Flieger nach El Fasher fliegen. 2 Stunden Flug über die Wüste Sudans. Ich wurde dort von unserem Teamleader abgeholt und bekam alles vor Ort gezeigt. Unser BHCU war schon von Helfern des Sudanesischen Roten Halbmondes (SRC) und dem Rest unseres Teams weitgehend aufgebaut. In den nächsten Tagen wurde die Wasser- und Stromversorgung sichergestellt.  Dies erwies sich als schwierig, wenn man Ersatzteile oder Zubehör kaufen muß. 1 Meter el. Leitung kosten 1500 SDD. (258 SDD entspr. 1 US $). Und der elektrische Standart  ist weitgehend Miserabel, was kein Wunder ist, da es ja eh kein oder nur kaum Stromnetze gibt. Mit den Einheimischen wurden Strom und Wasserleitungen gelegt, für Abwasser und Toilettenanlage gesorgt.

Hand in Hand mit lokalen Mitarbeitern

Unser Generator versorgte die Zelte mit Strom, so daß die Ventilatoren und elektrischen Geräte in jedem Zelt einsatzbereit waren. Unser 6 köpfiges Team arbeitete Hand in Hand mit dem SRC zusammen, so daß der Betrieb des BHCU schnell startete. Die Hilfesuchenden kamen aus dem Flüchtlingslager ”Abu Shok”, angrenzenden Gebieten und aus El Fasher selbst. In Abu Shok sind ca. 45.000 Flüchtlinge untergebracht.

Großer Andrang, große Armut, große Unterernährung

Da eine Ausgangssperre bestand, hatten wir nur begrenzte Öffnungszeiten, an denen teils über 200 Menschen täglich versorgt wurden. Unterernährung, Malaria, Durchfallerkrankungen und weitere Krankheiten wurden behandelt. In den nächsten Wochen wird sich wegen der einsetzenden Regenzeit die Krankheitsrate erhöhen. Morgens fanden wir vor dem Tor unserer Station schon eine wartende Menschenmenge vor. Hauptsächlich waren es Frauen mit ihren Kindern, die sich vor unserer Einrichtung drängten, aber auch Ältere aus dem Flüchtlingslager und nahe liegenden Stadtgebieten. 

Photo: Ralf Hagelstein / DRK-Schlich

Regen und Kälte in der Wüste

Manchmal traten techn. Probleme auf, die schnell behoben werden konnten. Die lokalen Kräfte des SRC taten wirklich ihr bestes und wurden sehr gut von uns angelernt. Neben Generatorschwierigkeiten, wurden des öfteren Wassergräben gezogen, um nach regenreicher Nacht die Wasserlachen vor und in unserer Station zu beseitigen. Überall in der Stadt bildeten sich Wasserlachen, die nach wenigen Tagen Tummelplätze für Insekten waren. Dieses sollte in und vor unserer Gesundheitsstation vermieden werden. Eines Morgens kamen wir nach kalter Nacht (ca. 25 Grad) an unserer Station an, wo die Kollegen vom SRC den Generator in Folie eingepackt hatten, um diesen vor Regen und Kälte zu schützen.

Mit gutem Gewissen zurück in die Heimat

In der letzten Woche wurde der Generator fast komplett mit meinen zwei sudanesischen Technikern auseinander genommen. Es war ihm wohl was zu warm geworden und zwei Anschlüsse hatten sich im Inneren gelöst. Nach erfolgreicher Reparatur konnte er seine Dienste wieder aufnehmen. Endlich kam in der 4. Woche unsere Ablösung aus Deutschland. Ein 5 köpfiges Team löste uns ab. Es folgten Übergabegespräche und Einweisung in die von uns Errichtete Station. Nach nächtlichem Flug war ich dann Mittags am 21.7 wieder bei der Familie zu Hause.

Ralf Hagelstein

(A.d.R.: Etliche Jahre nach dem Beginn dieses Einsatzes dauern die Konflikte im heute gespaltenen Sudan an. Hunger, Krieg und Flüchtlinge prägen das Bild. Die von Ralf Hagelstein errichtete mobile Gesundheitsstation und ihr Generator versorgen auch noch heute die Menschen im Sudan!)

Gesundheitsstation für Vertriebene im Darfur

Der Darfurkonflikt im Norden Sudans dauert an. Von einst drei Gesundheitsstationen in der Region um El Fasher ist nur eine geblieben. Hier stellt das Rote Kreuz die medizinische Versorgung von ca. 55.000 Vertriebenen sicher. Die Betreuung von Müttern und Kindern sowie die medizinische Ausbildung der lokalen Mitarbeiter sind neben der Basisversorgung wichtige Bestandteile der Arbeit vor Ort. Der Schlicher Rot-Kreuzler Ralf Hagelstein half 2004 eine dieser Gesundheitsstationen zu errichten. 

Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen

Seit der Eskalation des Darfur-Konflikts mussten über 2 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Viele leben in Flüchtlingslagern, z.B. in den Lagern Abu Shok und As Salam – beide in der Nähe von El Fasher. Allein das Flüchtlingslager Abu Shok hat mit 55.000 Bewohnern die Größe einer Kleinstadt. Dort betreibt das Rote Kreuz seit 2004 eine Basisgesundheitsstation. Es ist die einzige von ursprünglich drei Stationen in dieser Region, die noch existiert. Diese sichert nun die medizinische Versorgung der Menschen in der Region um El Fasher. Besonders Kinder unter 5 Jahren, schwangere Frauen und chronisch kranke Menschen sind auf die Hilfe angewiesen.

Ein Tag in der Gesundheitsstation

8:00 Uhr morgens. Noch ist es ruhig. Die Gesundheitsstation hat sechs Tage die Woche geöffnet. Schnell füllt sich der Wartebereich – auch mit Bewohnern der umliegenden Dörfer und aus dem Nachbarlager As Salam. Haseena, die Hebamme der Mutter-Kind-Station, öffnet ebenfalls jeden Morgen ihre Pforten. Bis die Gesundheitsstation abends schließt, werden bis zu 200 Patienten behandelt, wie die kleine Neda, die an Durchfall erkrankt ist. Andere Patienten leiden z.B. unter Atemwegserkrankungen oder Malaria. Alle sind froh über die schnelle und professionelle Hilfe, da durch den Konflikt die medizinischen Einrichtungen zerstört wurden und es wenige Ärzte gibt.

Hilfe für unterernährte Kinder

Auch der einjährige Yassir kam mit seiner Mutter in das Flüchtlingslager Abu Shok. Der Junge litt unter Durchfall, aß nicht mehr und war durch eine Malariainfektion geschwächt, die er erst wenige Monate zuvor überstanden hatte. In der DRK-Gesundheitsstation erhielt er alle lebensnotwendigen Mineralien, Vitamine und eine Antibiotikatherapie. Schon nach wenigen Tagen verbesserte sich sein Zustand. Yassirs Mutter lernte gemeinsam mit anderen Müttern unterernährter Kinder, wie man Mangelernährung vorbeugt und wann es notwendig ist, ärztlichen Rat einzuholen. Heute ist Yassir drei Jahre alt und ein gesunder Junge. Seine Mutter gibt ihr Wissen inzwischen an andere Frauen in ihrem Dorf weiter.